Man küsste uns, wir küssten uns und überhaupt: let´s kiss in Kissingen!
Marcus und Andrea Renner haben uns zum diesjährigen Herbsttreffen in die UNESCO-Welterbestadt und berühmte Kurstadt Bad Kissingen eingeladen. Also irgendetwas mit Blubber, Wasser und Küssen, dachte ich mir so bei der Anreise. Ob man da zwischen zwei Fango-Packungen abgeknutscht wird? Nun, wir werden sehen, vielleicht gibt es ein paar Überraschungen. Und wenn nicht, gibt´s eine Unterbodenwäsche für den 6er. Zumindest kamen wir schon mal pünktlich an besagtem Wochenende in den Tankrabatt der deutschen Bundesregierung. Das war wenigstens ein Hauch von Zärtlichkeit, wenn auch kein echter Kuss und bei immer noch mindestens € 2,14 pro Liter Super auch keine wahre Liebe.
Bei der Anreise wurden allerdings einige Teilnehmer erst einmal überhaupt nicht geküsst. Statt zärtlicher Romantik gab es die harte Realität der deutschen Autobahn: Für wenige hundert Kilometer standen manch unverwüstliche Clubkameraden bis zu sechs Stunden im Stau. Da küsst dich höchstens der Vordermann, wenn du beim Stop-and-Go einpennst. Noch weniger Funken sprangen bei einem anderen Kollegen über. Die Zündkerzen verweigerten den Dienst. Und wo kein Funke springt, da küsst eben auch nichts.
Dafür gab es an anderer Stelle Küsse im Überfluss: Eine Schweizer Kollegin hatte am Anreisetag Geburtstag und wurde standesgemäß von einigen aus der 6er-Bande geHERZIGt.
Im Hotel Bayerischer Hof wurde klar: das mit dem Verwöhnen klappt hier. Das Hotel hat uns direkt mit hervorragendem Service geküsst. Der Parkplatz (quasi die 6er- Knutschzone) wurde für uns geradezu vehement seitens der Hoteldamen verteidigt. Dafür nachträglich ein dickes Bussi! Links und rechts.
Kaum war der harte Kern des Clubs vollzählig eingetroffen, ging es auch schon los zur historischen Lehrstunde durch die Kuranlagen. Der Ort, an dem Sisi und der gesamte europäische Adel (wahrscheinlich) herumknutschten, wollte schließlich erkundet werden.
Danach wurde es logistisch spannend: Das „Kurbähnle“ sollte uns durch die Innenstadt zum Gradierwerk bringen, gefolgt von einer Schifffahrt auf der Saale. Weil wir aber so zahlreich erschienen waren, passten wir natürlich nicht alle auf einmal in das Gefährt. Aber ein echter 6er-Fahrer kapituliert nicht vor einem Fahrplan. Wir überbrückten die Zeit mit stoischer Gelassenheit und heftigem Flirten mit einer italienischen Eisdiele. Die anschließende Schifffahrt zurück zum Rosengarten brachte uns langsam und gemächlich einlullend wieder zum Hotel. Beim anschließenden Abendbuffet im Bayrischen Hof wurden wir vom Küchenchef kulinarisch dafür so richtig wachgeküsst.
Frisch gestärkt warfen sich einige für den Abend in Schale. Die Spielbank Bad Kissingen reizte mit dem Glück. Und wenn es damit nicht klappte, galt immer noch der Spruch „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“. So gesehen wurde das ein sehr erotischer Abend. Doch für ein paar Schweizer Freunde war das Glück schon an der Tür vorbei. Der Fiskus bzw. die Security bemängelte eiskalt den Schweizer Personalausweis. Da haben die Eidgenossen die stabilste Währung der Welt, aber s’Uswiisli isch no lang kes Billett. Küssen verboten. So was aber auch. Naja, Pech im Spiel…
Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der artgerechten Haltung unserer Fahrzeuge. Pünktlich um 08.45 Uhr (da wurde manch einer von der Guten-Morgen-Fee wachgeküsst) starteten wir die Motoren zur großen Ausfahrt durch das malerische Saaletal in Richtung Meiningen. Und was soll man sagen? Bei der Ausfahrt hat uns die Sonne so herrlich abgeknutscht, dass der Regentag davor vergessen war. 40 Fahrzeuge standen für ein wunderbares Fotomotiv Spalier.
Das Ziel: Die Erlebniswelt des Meininger Dampflokvereins. Endlich mal Oldtimer, die noch mehr Hubraum haben als wir. Die Sprache des Gästeführers stand zwar unter Artenschutz, aber die Maschinenhallen waren ziemlich beeindruckend. Ein Duft aus Stahl, Öl und Nostalgie küsste unsere Nasen. Und ein Belag aus Kohlestaub die Sohlen unseres Schuhwerks.
Das anschließende Mittagessen im Landhotel Brückenmühle stellte uns vor existenzielle Fragen: 1. Schon wieder Essen Ja oder Nein? Antwort zu 100%: Ja. 2. Ist ein Teller mit drei Scheiben Schweinebraten, einem Teller Kraut und zwei Knödel notwendig? Antwort zu 100%: Ja. 3. Werden wir – trotz allen Jammerns – im Berghaus Rhön über das Kaffee- und Kuchenbuffet herfallen, wie die Hunnen, die Magyaren und die Goten das Gebiet des heutigen Franken überrollten? Antwort zu 100% … interpretieren wir es mal als das Küssen des 6er-Clubs auf die Wangen der fränkischen Küche.
Zurück im Hotel folgte der offizielle Teil: die Jahreshauptversammlung. Dank der allgemeinen Glückseligkeit (und vermutlich dem immer noch anhaltenden Sättigungsgefühl) verlief alles extrem harmonisch und in Rekordzeit. Beim letzten großen Abendbuffet wurden wir ein letztes Mal kulinarisch verwöhnt. Wir stießen auf die tolle Organisation an, feierten den Abend, den Club mit nun über 200 Mitgliedern und somit unsere großartige Gemeinschaft.
Am Sonntag hieß es nach dem Frühstück Abschied nehmen. Bad Kissingen hat uns wahrlich auf allen Ebenen geküsst – mit Sonne, gutem Essen und tollen Strecken.
Die Familien Vits und Brachthäuser werden uns mit dem Déjà-vu-Treffen „Bergisches Land 2.0“ (inklusive Düsseldorf) im Mai 2027 beglücken. Das ist vorab schon mal ein dickes Bussi wert. Links und rechts.
Gerhard Holmer, gh@alexander-niemetz
